Ich bin Windsurfer und ich bin Arzt – zuerst aber Surfer.
Nicht nur im sportlichen Sinn, sondern als Mindset, als Haltung.
Man lernt, Teil der Elemente zu sein – nicht ihr Gegner.
Man lernt, Bedingungen zu lesen, sie zu respektieren, sich anzupassen und sie zu nutzen statt dagegen anzukämpfen. Man lernt aber auch mal Demut und Ehrfurcht.
Wellen, Wind und überhaupt die Elemente lassen sich nicht kontrollieren. Aber man kann lernen, mit ihnen umzugehen.
Als Arzt in der Notfall- und Intensivmedizin arbeite ich seit vielen Jahren in einem Umfeld, das Verantwortung, Klarheit und Stabilität verlangt. Ich übe diesen Beruf mit Hingabe aus. Doch ich definiere mich nicht über meinen Titel.
Ich habe mich teilweise auch über Funktionieren, Leistung und Verantwortung beschrieben. Und ich weiß heute, dass Identität mehr ist als beruflicher Erfolg.
Ich habe viele Facetten – von der Medizin bis zur Werkbank, vom Surfbrett bis zur Skipiste. Manche davon sind laut, manche leise, manche still. Entscheidend ist für mich nicht die Rolle, sondern die Haltung dahinter.
Ich habe im Beruf über Jahre gelernt Verantwortung zu tragen, Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen und auch in belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben. Das gehört zu meinem Alltag.
Medizin bedeutet für mich mehr als Fachwissen. Sie konfrontiert einen unter anderem durchaus täglich mit Grenzen – körperlichen, emotionalen und menschlichen. Sie verlangt Klarheit, Struktur und die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn es unübersichtlich wird.
Ich bin aber nicht nur Surfer und Arzt. Ich bin Ehemann und ich bin Vater.
Ich habe gelernt, dass Titel im privaten Leben so gar keine Rolle spielen.
Wie viele Beziehungen hatte auch meine Ehe Höhen und Tiefen. Phasen von Nähe, aber auch Zeiten von Distanz, Unsicherheit und innerer Unruhe. Momente, in denen ich gemerkt habe, dass äußere Stabilität nichts nützt, wenn die innere fehlt.
Ich kenne das Gefühl, zu funktionieren – beruflich souverän, nach außen kontrolliert – und innerlich trotzdem nicht klar zu sein. Ich kenne Zweifel. Ich kenne Konflikte. Und ich kenne die Auswirkungen, die eigene Unruhe auf Familie und Umfeld haben kann.
Ruhigerleben ist nicht aus einer Theorie entstanden. Es ist aus einem persönlichen Prozess entstanden. Aus der Auseinandersetzung mit mir selbst. Mit Verantwortung. Mit Beziehung. Mit der Frage, wer ich eigentlich sein möchte – als Mensch, als Mann, als Vater, als Partner und als Mediziner. Und das wichtigste – alles auf einmal ohne mich zu verlieren.
Ich glaube nicht an reine Ratgeber-Theorie. Ich glaube an Erfahrung. Ich glaube an Entwicklungsprozesse. Ich glaube an Reflektion.
Theorie ist wichtig. Aber sie ersetzt nicht das Erleben und sie ersetzt nicht das Durchleben.
Beim Spaziergang mit dem Hund, im Gespräch mit meiner Tochter, in belastenden Situationen im Beruf, in den Wellen auf dem Surfbrett – ich habe verstanden, dass Führung, Präsenz und innere Stabilität nichts sind, die man predigt. Sie müssen gelebt werden.
Ich interessiere mich für Struktur, körperliche Belastbarkeit, Natur, Technik und die bewusste Reduktion von Komplexität. Nicht aus Romantik – sondern aus dem Wunsch nach Klarheit.
Ich glaube an Eigenständigkeit, an Haltung und daran, dass Echtheit nicht laut ist, sondern ruhig und stabil.
Ich bin kein Coach, kein Guru. Ich bin jemand, der Verantwortung trägt – beruflich und privat – der gefallen ist, bis ganz unten, gezweifelt hat, sich über Jahre wieder aufgebaut hat und der gelernt hat, dass innere Stabilität nicht selbstverständlich ist, sondern aufgebaut und gepflegt werden muss.
